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Der Beste der Geschichte?: Lionel Messi ist mehr als Dominanz

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Lionel Messi – ein bescheidener Typ, der im Training zum Ehrgeizling wird.

Von Michael Bauer


Seit 15 Jahren spielt Lionel Messi im Profi-Fußball. Viele haben diesen Sport beeinflusst, aber einen wie Messi gab es bislang noch nicht – darin sind sich Mitspieler und Kontrahenten oftmals einig. Dabei gibt der kleine Argentinier dem Spiel weitaus mehr.

Pelé, Diego Armando Maradona, Johan Cruyff, Zinédine Zidane, Franz Beckenbauer – wer der beste Fußballspieler der Geschichte ist, darüber lässt sich vortrefflich streiten. Mit Cristiano Ronaldo und Lionel Messi stoßen zwei Spieler in die Riege der Anwärter vor, die seit mehr als zehn Jahren das Geschehen dominieren. Beim wuseligen Argentinier stimmt Pelé allerdings nicht zu: "Um sich mit Pelé messen zu können, braucht es jemanden, der gut mit links und rechts schießen kann und Kopfballtore erzielt", sagte der dreifache brasilianische Weltmeister jüngst der Zeitung "Folha de Sao Paulo" über sich selbst in der dritten Person.

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Messi habe "nur eine dieser Fähigkeiten", konstatierte der 78-Jährige und erklärte, er selbst, aber auch Maradona, Beckenbauer und Cruyff seien deutlich besser gewesen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass aus dem Brasilianer das Alter oder Rivalitätsgelüste zum sportlichen Erzfeind Argentinien sprechen – oder beides. Denn mit seiner Meinung steht Pelé ziemlich alleine da. Das zeigt auch die neue Dokumentation "Take the ball, pass the ball", in der die erfolgreichsten Jahre des FC Barcelona zwischen 2008 und 2012 beleuchtet werden. Am Ende dieser vier Jahre standen 14 Titel für die Katalanen – und damit auch für Messi.

"Take the ball, pass the ball" beleuchtet alle Erfolgsfaktoren der damaligen Mannschaft, wie die taktische Prägung unter Cruyff, das Tiki-Taka von Josep Guardiola und die Entwicklung von Nachwuchsspielern in der Jugendakademie La Masia. Doch die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte, das werden die Protagonisten, die in dieser Dokumentation zu Wort kommen, nicht müde zu betonen, wäre ohne Messi nicht möglich gewesen. Darin sind sich Gegenspieler wie Teamgefährten einig. Mittelfeldstratege und Ex-Mitspieler Xavi beschreibt den Argentinier als bescheidenen Typen, der im Training zum Ehrgeizling wird.

"Bis heute gab es keinen wie Messi"

"Er ist überall besser als du, mit rechts, mit links, mit dem Kopf. Er kann besser verteidigen und angreifen und ist schneller. Er kann besser dribbeln und passen. Im Tor war er noch nicht, aber irgendwann macht er das sicher auch", witzelt der Spanier. Aber auch Fußballgrößen, die nicht an der Seite Messis spielten, übertreffen sich mit Superlativen. Der italienische Trainer Fabio Capello kann dabei sogar generationenübergreifend vergleichen: "Ich hatte das Glück gegen Pelé zu spielen. Und gegen Cruyff. Ich hab auch Maradona spielen sehen. Sie alle haben diesen Sport wirklich beeinflusst. Aber bis heute gab es keinen wie Messi."

Zu schnell für den Weltmeister: Patrick Vieira kommt 2005 gegen Lionel Messi zu spät.

Er mache Dinge, die sich andere nicht einmal vorstellen könnten. Messi mache das Unmögliche erst möglich. Capello scheiterte wohl als erster großer Klubtrainer mit dem Plan, Messi aus Barcelona wegzulocken. Bei einem Testspiel 2005 zwischen Barça und seinem damaligen Verein Juventus hatte der Italiener seinem Trainerkollegen Frank Rijkaard unterbreitet, den Argentinier doch ein Jahr nach Turin auszuleihen. Rijkaard lehnte dankend ab und Capello musste weiterhin zusehen, wie der Zauberfloh sein Starensemble zerlegte. Barças Mittelstürmer Samuel Eto'o hatte seinen Turiner Gegenspieler Patrick Vieira noch vor dem Anpfiff gewarnt: "Hüte dich vor diesem Jungen, gegen den du heute spielen wirst. Er wird Geschichte schreiben. Es wird so sein, als hätten wir, alle Spieler vor ihm, gar nicht wirklich Fußball gespielt."

Statistiken lassen keine Zweifel

All die medial produzierten Superlative, die Ästhetik seines Spiels, es lässt sich beim 31-Jährigen auch an den Zahlen festmachen. Ob Tore oder Vorlagen, seit 2009 ist Messi im Schnitt an 1,45 Toren seines Klubs bei Ligaspielen beteiligt. Dahinter folgen Cristiano Ronaldo (1,21) und Luis Suarez (1,12). Mit dieser Quote kann Pelé durchaus mithalten, wobei er seine 656 Tore zu fast 95 Prozent in der brasilianischen, schon damals deutlich schwächeren Liga erzielte.

Die professionellen Ansprüche an die Sportler zu Pelés Glanzzeiten sind mit den heutigen ebenfalls nicht zu vergleichen. Nun kann man Messi vorwerfen, mit der argentinischen Nationalmannschaft keinen großen Titel gewonnen zu haben. Eine Finalteilnahme bei der WM 2014 steht zu Buche, hinzu kommen zwei Endspiele bei der Südamerikameisterschaft. Es sind aber nicht nur Zahlen und Titel, die eine Ära eines Fußballers prägen, sondern auch sein Einfluss auf das Spiel.

Im Fall von Messi fällt das nicht schwer, wie Jordi Cruyff, Sohn von Barça-Legende Johann, treffend formulierte: "Messi hat vielen jungen Fußballern auf der Welt Hoffnung gegeben. Es geht nicht darum, 1,80 Meter groß zu sein. Es ist viel mehr als das. Intelligenz – wenn der Kopf schneller ist als die Beine, dann dominiert man." Und das tut der kleine Argentinier auch im Alter von 31 Jahren wie kein anderer vor ihm.

 

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