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Müssen wir Angst vor einer Ölkrise haben?

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Drohnen-Angriffe auf saudische Öl-Anlagen und Attacken gegen Handelsschiffe – die Krise am Arabischen Golf spitzt sich dramatisch zu. Die jüngsten Spannungen wirken sich nun auch auf die Öl-Preise aus, ließen sie am Dienstag steigen.

► Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete gegen Mittag 71,33 US-Dollar. Das waren 1,10 Dollar mehr als am Montag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 72 Cent auf 61,76 Dollar.

Seit Ende 2014 hatten sich die Verbraucher im Westen über niedrige Ölpreise freuen können und ihr Geld nicht für Benzin, sondern für Dinge ausgeben, die die Wirtschaften ankurbelten. Die Preise waren von 130 Dollar pro Barrel im April 2011 auf ein Tief von 36 Dollar im Februar 2016 abgestürzt. Noch im vergangenen Dezember lagen sie unter 50 Dollar.

Die Öl-Preise stiegen, obwohl der Handelsstreit zwischen den USA und China auf eine schwächere globale Nachfrage deutet und US-Außenminister Mike Pompeo erst am Samstag versichert hatte, dass die USA ihre Öl-Produktion herauffahren werde, um mögliche Engpässe aufzufangen.

Doch entgegen Pompeos Beteuerungen gibt es eine Reihe von Indikatoren, die auf nichts Gutes für die Verbraucher hindeuten: Die Sanktionen gegen Iran und Venezuela. Die Unruhen in Libyen. Die Ansage der OPEC, dass sie einen Preis von über 80 Dollar pro Barrel anvisiert. Und nun die Anschläge auf die Tanker und die Pipeline.

Noch Anfang April hatte die amerikanische Investment Bank Goldman Sachs prophezeit, dass die Preise in diesem Jahr nicht auf 80 Dollar ansteigen würden. Nun steht hinter dieser Vorhersage ein großes Fragezeichen.

Analysten, wie Eugen Weinberg von der Commerzbank, bleiben derzeit dennoch entspannt. Eine bevorstehende Öl-Krise sehen sie nicht: „Am Dienstag scheinen sich die aktuellen Ereignisse zwar leicht auf den Ölpreis ausgewirkt haben, heute aber zeigen sich die Märkte davon unbeeindruckt. Das ist wirklich erstaunlich, denn man würde eigentlich das Gegenteil erwarten. Die Region ist zentral für den weltweiten Ölhandel – sollte dort ein Konflikt ausbrechen und dadurch nur ein bisschen weniger Öl fließen, hätte das schwere Folgen auch auf den Finanzmärkten. “

Anschläge im Nahen Osten Schuld an Entwicklung

Schuld an der aktuellen Ölpreis-Entwicklung sind vor allem zwei Anschläge im Nahen Osten:

► Am Sonntag waren mindestens vier Tanker aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Norwegen und Saudi-Arabien offenbar sabotiert und beschädigt worden. Die Attacken hatten sich in der Nähe des Emirats Fudschaira ereignet – einem der größten Umschlaghäfen der Welt in der Nähe der Straße von Hormus, durch die ein Drittel des weltweit gehandelten Öls befördert wird.

Angaben darüber, wer für die Attacken verantwortlich ist, gibt es bisher nicht. Doch Saudi Arabiens Energieminister Chalid al-Falih erklärte: „Der Angriff zielt darauf ab, die Seefreiheit und die Sicherheit der Ölversorgung der Verbraucher auf der ganzen Welt zu untergraben.“

Die US-Zeitung „Wall Street Journal“ berichtete derweil unter Berufung auf amerikanische Offizielle, dass sie davon ausgehen, dass wahrscheinlich der Iran dahinter stecken würde.

Tatsächlich waren die Feindseligkeiten zwischen Teheran und Washington bereits in der Woche zuvor so sehr eskaliert: Das Pentagon schickte einen Flugzeugträger, B-52-Bomber und ein mit einem Raketenabwehr-System ausgestattetes Kriegsschiff in Richtung iranischer Küste, weil es offenbar Hinweise darauf gab, dass der Iran oder seine Verbündeten Angriffe gegen amerikanische Soldaten in der Region plant.

Gestern dann der nächste Schlag: Eine der wichtigsten Pipelines Saudi Arabiens wurde von sieben mit Sprengstoff beladenen Drohnen angegriffen. An zwei Pumpstationen waren Brände ausgebrochen und der Betrieb musste aus Sicherheitsgründen vorläufig eingestellt werden.

Brisant: Die 1200 Kilometer lange „Petroline“ befördert Öl aus der Ostprovinz Saudi Arabiens ans Rote Meer. Dieser Transportweg ist vor allem für die Lieferungen an die USA und Europa wichtig.

Im Laufe des Tages kamen Spekulationen auf, dass schiitische Huthi-Rebellen aus dem Jemen hinter den Drohnen-Angriffen stecken. Ein Sprecher der Rebellen bestätigte: „Die Angriffe auf vitale Einrichtungen Saudi Arabiens sind ein Vergeltungsschlag für saudische Angriffe im Jemen.“

Die Saudis kämpfen an der Seite der jemenitischen Regierung in einem blutigen Krieg gegen die Rebellen. Und die werden von Saudi Arabiens Erzfeind Iran unterstützt. So sollen die Mullahs die Rebellen mit Drohnen-Technologie ausstatten.

Teheran zeigte jedoch mit dem Finger auf die USA. „Wir hatten vorhergesehen, dass solche dubiosen Zwischenfälle geben könnte, um Spannungen in der Region zu provozieren“, orakelte der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif.

  • Iran-Krise

    Chamenei: „Es wird keinen Krieg geben“

    Irans oberster Führer, Ajatollah Ali Chamenei (80), hat die Möglichkeit eines Krieges seines Landes mit den USA ausgeschlossen.

USA und Iran versichern: Es gibt keinen Krieg

Unterdessen traf Außenminister Mike Pompeo seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow und Kreml-Chef Wladimir Putin am Dienstag in Sotschi. Pompeo versicherte, die USA strebten keinen Krieg gegen den Iran an. Er betonte aber auch, die USA würden „angemessen“ auf iranische Angriffe auf Interessen seines Landes reagieren.

Irans oberster Führer, Ajatollah Ali Chamenei, machte am selben Tag klar, dass sein Land nicht an Verhandlungen mit den USA interessiert sei. „Weder wir wollen einen Krieg, noch wollen das die (USA), deshalb wird es den auch nicht geben“, sagte Chamenei im Staatsfernsehen. Der Iran habe im Konflikt mit den USA jedoch „den Weg des Widerstands“ gewählt, denn Verhandlungen mit Washington seien „wie ein Gift“.

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