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Litauen warnt vorPutins Informationskrieg

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Er ist Diplomat und soll sich eigentlich auch so äußern: diplomatisch vorsichtig. Doch nach der Reaktion der Bundesregierung auf den Angriff Russlands auf ukrainische Schiffe im Schwarzen Meer, platzt Litauens Botschafter in Deutschlands, Darius Semaška (51), der Kragen.

Im BILD-Interview lässt Semaška ordentlich Dampf ab!

BILD: Herr Botschafter, nach dem Angriff russischer Kriegsschiffe auf ukrainische Marine-Schiffe vor der Krim, hat die Bundesregierung an beide Seiten zum Dialog appelliert. Richtig?

Darius Semaska: „Nein – im Gegenteil das war das falsche Zeichen!“

Warum?

Semaška: „Ganz einfach: Weil das Bundeskanzleramt und das Auswärtige Amt damit die komplett falsche Botschaft sandten: nämlich, dass es zwei Konfliktparteien, zwei aktive Parts in dem Konflikt gibt. Aber Moskau ist der Aggressor. Die Schiffe wurden in internationalen Gewässern gerammt, beschossen, gekapert, die Mannschaften verhaftet! Als hätte Berlin nicht verstanden, dass Moskau einen Kampf um die Köpfe und Herzen im Westen führt – in diesem Informationskrieg Russlands gegen unsere freie Welt, war das ein großer Fehler!“

Hat die deutsche Regierung ein Problem damit, die Dinge klar beim Namen zu nennen?

Semaška: „Offensichtlich wurde zumindest übersehen, dass der russische Geheimdienst FSB, der ja die Grenzen sichert, eindeutig und bewusst gegen internationales Recht verstoßen hat.“

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Welche Rolle spielen Ex-Politiker wie Ex-Kanzler Gerhard Schröder, die Ex-SPD-Chefs Platzeck im Propaganda-System des Kreml?

Semaška: „Sagen wir es mal so: Ich verstehe Gerhard Schröders private, finanziellen Interessen. Herr Platzeck ist ja als Vertreter der russisch-deutschen Wirtschaft aktiv. Er weiß vielleicht einfach nicht, dass diese Wirtschaftsinteressen westlicher Firmen immer vom Kreml ausgenutzt werden – auch, um eigene Ansichten zu propagieren, mit den eigenen Botschaften in die Köpfe der Menschen im Westen zu kommen. Das ist ein in mehr als 40 Jahren erprobtes System. Oft waren die Geschäfte westlicher Firmen in Russland eine direkte Angelegenheit des Kreml. Wissen sie, was ich nicht verstehe?“

Was denn?

Semaška: „Der Export nach Russland am deutschen Export beträgt gerade einmal mickrige zwei Prozent. Aber in der öffentlichen Diskussion ist der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft omnipräsent; als ginge es für die deutsche Wirtschaft im Russland-Geschäft um Leben und Tod. Dagegen höre ich nichts vom US-Ausschuss der deutschen Wirtschaft, – dabei ist der Export dorthin ja nun wirklich bedeutend! Daran kann man sehen, wie gut die Propaganda des Kreml in Deutschland funktioniert.“ 

Droht Deutschland den Informations-Krieg gegen den Kreml zu verlieren?

Semaška: „In der deutschen Öffentlichkeit herrschen eindeutig alte Illusionen über Russland als gutwilligem Partner für Deutschland vor. Diese Illusionen sind dominant. Aber es gibt Fortschritte – und wir dürfen nicht vergessen, dass es ohne Deutschland keine harten Sanktionen gegen Russland gäbe. Aber es gibt erheblichen Nachholbedarf – etwa darin, die Dinge beim Namen zu nennen – wie wir nun in der Russische Aggression gegen die Ukraine wieder gesehen haben. Leider,.“

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