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Der IS ist zunehmend auf Frauen angewiesen

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Seit den Verlusten in Syrien wirbt die Dschihadistenmiliz verstärkt um Frauen – sowohl für den Kampf an der Front als auch für Anschläge in westlichen Staaten. Die Zahl weiblicher Terroristen wird steigen, warnt Europol.

In Deutschland werben Salafisten seit Jahren mit Kundgebungen um Konvertiten (Archivbild)

Im vergangenen Jahr waren bereits 15 Prozent der in der Europäischen Union verurteilten ehemaligen Kämpfer der Terrororganisation “Islamischer Staat” (IS) Frauen. Tendenz steigend. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der europäischen Polizeibehörde Europol. “Frauen wurden für den IS unverzichtbar sowohl in Kampfgebieten als auch im Westen”, erläuterte Europol-Direktorin Catherine De Bolle bei der Vorstellung der Untersuchung in Den Haag. Die Terrororganisation stelle es als “moralische Pflicht” der Frauen dar, sich am Dschihad zu beteiligen.

Europol-Direktorin Catherine De Bolle: Die Ideologie des IS hat sich nicht geändert (Archivaufnahme)

Seit ihrer Vertreibung aus Syrien im März dieses Jahres würden Frauen auch zunehmend zum Kampf mit der Waffe aufgerufen. Kämpferinnen würden sogar gefeiert, so De Bolle. Trotzdem, so betonen die Experten von Europol, habe sich die Ideologie der Salafisten-Miliz nicht geändert. Danach haben Frauen vorrangig die Aufgabe, ihren Mann zu Hause zu unterstützen, Kinder zu bekommen und sie im Sinne des IS zu erziehen.

Frauen warten im Lager Al-Haul auf Hilfsgüter, nachdem der IS im März seine letzte Bastion im Osten Syriens verloren hatte

Untersucht worden war die Online-Propaganda der Terroristen, deren erklärtes Ziel es ist, ein Kalifat zu errichten. Zu diesem Zweck seien Frauen unverzichtbar, stellen die Experten fest. Denn nicht nur im Dschihad würden Frauen künftig eine aktivere Rolle spielen. Auch in Medien, bei der Gesundheitsversorgung und der Bildung seien Frauen tätig. Das unterscheidet den IS damit deutlich von anderen islamistischen Organisationen wie den Taliban in Afghanistan oder Boko Haram, die im westlichen Afrika aktiv ist.

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Gründe, warum gerade westliche Frauen sich dem Dschihad anschließen, wurden in der Studie nicht berücksichtigt. Europol wollte sich auch nicht dazu äußern, wie EU-Mitgliedsstaaten mit den Frauen umgehen sollen, die nun aus dem Kampfgebiet in ihre Heimat zurückkehren wollen. “Diese Fälle muss man individuell bewerten”, stellte die Europol-Direktorin klar.

Gleichwohl macht die Studie Schluss mit Mythen. IS-Frauen können demnach nicht länger behaupten, sie hätten nichts von dem Terror und den Zielen ihrer Organisation gewusst. Im Gegenteil: Der IS ist dem Bericht zufolge in seiner Propaganda fast schonungslos offen: Das Leben im Kalifat wird in allen Härten dargestellt.

Außerdem können sich die Frauen von IS-Kämpfern nicht länger darauf berufen, dass sie nur daheim am Herd gestanden oder die Kinder gehütet hätten. Musliminnen seien bei der Online-Rekrutierung sehr direkt auf ihre individuelle Pflicht für den Dschihad angesprochen worden. “Als Belohnung wurde ihnen der Weg ins Paradies verheißen”, sagte die Direktorin.

uh/jj (dpa, ap)

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